… and back again!

Es schneit gerade.

Der Plan der Kälte aus dem Weg zu gehen, hat also nicht hundertprozentig geklappt, aber wer wird schon kleinlich sein. Der kanadische Frühling ist nunmal immernoch kälter als manch Wintertag in Köln. Okay ein bisschen mehr hätte das Wetter im April schon mitspielen können. Die fünf abgefahrenen Tage in Tokyo waren zwar noch voll Frühlingssonne, doch schon Vancouver im Anschluss zeigte eigentlich nur graues Regenwetter. Genau wie Calgary direkt danach. Eine große Rolle hat es zugegeben nicht gespielt, denn der Jetlag hatte mich da schwer im Griff. Nachts hellwach und tagsüber müde, wie man sich das so vorstellt. Zwischendurch hab ichs aber doch noch geschafft ein bisschen was von den kanadischen Rocky Mountains zu sehen. Muss ja sein wenn man schon mal da ist.

Von da aus ging es weiter nach Toronto wo ich quasi die letzten drei Wochen verbracht habe. Mehr oder weniger jedenfalls, denn Trips und Besuche nach Oakville, Kingston, Ottawa, Niagara Fälle und Muskoka waren auch drin in den letzten drei Wochen. Viel gesehen, neue Leute kennengelernt, aber vor allem alte Bekannte wiedergetroffen.
Alles in Allem hab ichs aber eher ruhig angehen lassen und mehr Land und Leute genossen, als Abenteuer erlebt.
Aber auch damit ist es jetzt vorbei. Der erwähnte Schnee weht nämlich am Fenster vorbei während ich im Auto sitze das mich zum Flughafen bringt. Wenige Stunden noch bis ich in den Flieger steige,  der mich wieder zum Ausgangspunkt meiner Reise bringt.

Wie es mir damit geht?

Ich hatte ja einige Zeit mich darauf vorzubereiten. Um ehrlich zu sein fühlt es sich sehr ähnlich an, wie die Tage bevor ich zu meiner Reise aufgebrochen bin. Ich hab eine Idee von dem was mich erwartet aber wie es letztlich wirklich wird, kann ich beim besten Willen nicht sagen. Ich bin gespannt auf was auch immer mich dort erwartet. Immer wieder höre ich wie jemand sagt „zurück in die Realität“. So fühlt es sich aber nicht an. Wenn man so lange auf Reisen ist, wird das Leben aus dem Koffer, Kochen in Hostelküchen und Schlafen in Hochbetten oder auf Sofas, zur neuen Realität. Man kann sich nicht denken wie kurz die 8 Stunden Flug heute für mich klingen.
Nach Deutschland kommen ist weniger eine Rückkehr, als der Beginn eines neuen Lebensabschnittes.

Deswegen merkt man vielleicht, dass ich mich ein bisschen davor scheue „nach Hause“ zu sagen. Ich weiss gerade einfach nicht wie sehr ich mich zu hause fühlen werde.

Das klingt für einige vielleicht wieder etwas traurig, ist es aber nicht. Ich bin einfach gespannt und aufgeregt was mich erwartet. Und natürlich brauche ich nicht erwähnen wie sehr ich mich auf Freunde und Familie freue. (Ich hoffe das meine Leber das alles mitmacht.) Worauf ich mich auch freue ist meine Wohnung und mein Bett! Nicht weil ich unbequem geschlafen hätte, aber ein Umstand den das Reisen so mitbringt, ist, dass ich überall und permanent zu Gast bin. Mal mehr mal weniger, aber doch durchgehend. Und selbstredend hat das auch nichts damit zu tun, wie gastfreundlich meine Gastgeber sind. Einfach locker durch die Hose atmen und keine Rücksicht auf irgendwen zu nehmen wird großartig.

Soviel zum Blick nach vorn, aber was liegt da jetzt eigentlich hinter mir?
Auch darüber habe ich viel nachgedacht auf der letzten Etappe. Es fällt schwer einfache Worte zu finden für meine Zeit unterwegs. Natürlich ist es ein gutes Jahr gewesen, aber wie viel ist da wirklich passiert?
Sehr viel das ich genießen konnte, aber auch einiges das ich durchstehen musste.

Gestern, an meinem letzten Abend auf Reisen, unterhielt ich mich darüber mit Steven aus Toronto. Übers Wochenende war ich mit neuen Freunden in eine Cottage am See in Muskoka gefahren und wie es sich gehört, hatten wir zum Sonnenuntergang auch ein Lagerfeuer entfacht. Frei nach Murphys Law hat es natürlich nicht lange gebraucht bis es wieder zu regnen anfing und während der größte Teil der Gruppe schon wieder bei Trinkspielen im gemütlichen Wohnzimmer saß, kauerten Steve und ich noch tapfer am Feuer, genossen die Hitze der Glut und taten so als würden wir den Regen im Nacken nicht spüren. Wir unterhielten uns übers Reisen und Vagabunden Leben und dann erinnerte er mich an etwas woran ich lange nicht gedacht hatte:
Vor 475 Tagen bin ich nach Neuseeland gereist ohne auch nur irgendeine Form eines Plans zu haben. Ich hatte ein Bett für die ersten zwei Tage gebucht und wortwörtlich alles andere war komplett ungewiss. Alles was danach geschah entstand komplett aus mir und meinen Entscheidungen. Es gab keine Vorgaben, keine Zwänge und keinen Masterplan. Ich war frei zu tun und lassen was ich will und das brachte mir unzählige Erfahrungen, für die ich allein verantwortlich bin. Und ich bereue keine einzige davon, wenn sie mich über drei Kontinente und fünf Länder, zu diesem Lagerfeuer an einem kanadischen See, in guter Gesellschaft gebracht haben.

All das kam einmal aus der Entscheidung heraus auf Reisen zu gehen.

Es war eine gute Entscheidung.

31 Tage, 20 Stunden in Kanada
475 Tage, 18 Stunden weg von zu hause
Noch 14 Stunden und 20 Minuten bis zum Ende meiner Reise

Australische Aufarbeitung

Australische Aufarbeitung

20170309_125152Mein neues Handy ist kaputt.

Gut das ich mir es extra aus Deutschland hab mitbringen lassen. Nicht nur das ich ohne Internetzugang, Kommunikationsmöglichkeit und Navigationsgerät ziemlich aufgeschmissen wäre, hier am anderen Ende der Welt; Nein was mich fast noch am meisten ärgert ist, dass ich es schließlich auch als Kamera nutze.
Bisher komme ich noch klar. Dass das Gerät nicht mehr richtig laden will hab ich mit neu erworbenen Powerbanks (ja plural) in den Griff bekommen und das W-Lan und Bluetooth nicht mehr einzuschalten sind, ist, zumindest solange ich meine australische Sim-Karte nutze, zwar etwas kostenintensiver, aber auch verschmerzbar.

20170302_163611Ja, ich weiß schon: „Erinnerungen sind viel wichtiger als Fotos. Da sein und den Augenblick genießen!“
Aber ein bisschen dokumentieren wäre doch ganz nett. Nicht nur für mich sondern ja auch für euch treue Leser, die immer geduldig auf Neuigkeiten von mir Rumtreiber warten.
Und ihr musstet dieses Mal etwas länger warten. Fast zwei Monate war Ruhe. Dass das gänzlich am defekten Handy liegt, wäre nicht ganz der Wahrheit entsprechend, aber doch hatte es einen Anteil daran und ist so eine willkommene Ausrede für meinen Schreiburlaub.

Hier bin ich also wieder, aber wo genau bin ich eigentlich gerade? Ich bin (noch) in Australien und habe mich bis in den Norden durchgeschlagen, sitze gerade in Cairns und habe endlich Muße genug um meine Zeit in ‚Straya einmal Revue passieren zu lassen.

Puh da ist einiges passiert. Die Zeit ist wie im Flug 20170214-WA0005vergangen. Fast jeden Tag gab es was Neues zu sehen oder zu tun und wenn es nur das stundenlange Autofahren die Küste herauf war. Keine Spur mehr vom entspannten Herumtingeln wie noch in Neuseeland, aber dazu später mehr. Bevor ich mich jetzt in einer langwierigen, langweiligen, aufwändigen und sowieso unvollständigen Aufzählung der vergangenen Tage verliere, versuche ich lieber ein paar Highlights raus zu suchen und einen Gesamteindruck vom echten Down Under Land.

Da wird allerdings schon direkt der erste Einwurf fällig. Wenn ich Gesamteindruck schreibe meine ich meinen Eindruck der Ostküste Australiens. Die allein ist schon so groß, dass die zwei Monate hier gerade mal reichten, die Basics vernünftig durchzuziehen. Um mal konkreter zu werden: Die Strecke die ich zurückgelegt habe ist, nach google maps an den Eckpunkten entlang gehandelt, circa 4000 km lang. Nicht eingerechnet Umwege oder eventuelles Backtracking. Für die Europäer unter uns: Das ist mal eben mit dem Auto von Lissabon nach Riga.

20170228_140653Anders als in Europa ist hier zwischen den größeren Städten nicht zu viel Zivilisation und anders als noch in NZ, nicht hinter jeder Ecke neue spektakuläre Highlights zu sehen. Man reist schon mehr von Ort zu Ort, als auf große Entdeckungstour zu gehen. Dafür verändert sich die Landschaft auf der Strecke einfach nicht genug.
Nicht falsch verstehen: Es ist wunderschön hier aber wenn man nach einer Woche den zehnten weissen Sandstrand besucht und den dritten Nationalpark durchwandert nutzt sich das ganze schon etwas ab. Deswegen liest sich meine Highlight Liste vielleicht auch wie ein Reiseprospekt der Ostküste, aber dieses mal hab ich eben mehr Tourist gemimt als sonst und mich auf Empfehlungen und ‚Must-Do’s/ Must-See’s‘ verlassen müssen. Für mehr war einfach die Zeit und das Geld nicht da.

Wilsons Promontory National Park20170208_171604

Als einer der ersten Stops überhaupt gab es hier noch keinerlei Ermüdungserscheinungen meinerseits und so waren der ‚Whale Rock‘, der einsame weiße Squeaky Beach, die Wanderung zum Pillar Point und die grünbewachsenen Berge rundherum, das erste richtige Highlight meiner Zeit hier. Zugegeben im Grunde hat mich die Aussicht stark an Neuseeland erinnert, was ich zu dem Zeitpunkt bereits etwas vermisst habe, aber die Gegend lädt zum wandern und verweilen ein, wie kaum eine andere, die ich in Australien gesehen habe. Aufgeregt wie ein kleiner Junge bin ich dort ins Wasser gerannt und hab das flache Ufer etwas unterschätzt. Die Schürfwunde am Unterarm ist inzwischen verheilt, die Narbe wird allerdings sicher noch eine Weile bleiben.

Nimbin Candle Factory

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Ein paar Stunden nördlich von Sydney und nicht direkt an der Küste gibt es das kleine verschlafene Nest Nimbin. Wobei verschlafen vielleicht nicht ganz richtig ist und benebelt etwas besser passt. Während die meisten Hippie-Easy-Going-Typen zwar in Byron Bay abhängen, findet man in Nimbin eher die grüne Fraktion. Mitten in der Stadt ist die Hanf-Botschaft, die über die Wunderwirkungen von Marijuana aufklärt und jedes Jahr findet das „Australian Mardi Grass“ statt, bei dem die Betonung eher auf dem „Gras“ liegt. Was Nimbin allerdings in die Highlight Liste hievt hat nur bedingt mit Rauch zu tun. In einer alten Butterfabrik am Stadtrand hat sich vor Jahren eine Kerzenmanufaktur niedergelassen und dort stellen sie den lieben langen Tag Kerzen in allen Farben und Formen und von bester ökologischer Qualität her. In mehreren Räumen hängen und stehen die Kerzen herum, sind dabei nicht nur schön anzuschauen, sondern sorgen auch dafür das alles nach warmen Wachs riecht. Toll fand ich auch den Boden, der nach Jahrzehnten der Wachsbeträufelung nun einige Zentimeter höher liegt oder zu beobachten wie ein altes Second Hand Bügeleisen benutzt wird, um von Hand die Seiten einer Pyramiden Kerze zu glätten.
Wenn der ganze Ort auch weniger für mehr als eine Übernachtungen hergibt, ist es doch zumindest einen Tagesaufenthalt wert. Irgendwie wirkte der Ort auf mich einfach sympathischer als das „überhypte“ und teure Byron Bay.

Noosa Heads

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Gut auch hier liegt es daran, dass mich dieser Ort nördlich von Brisbane an einen Ort in Neuseeland erinnerte. Aber wenn ich nunmal einen Ort finde der sich so ähnlich wie Mt. Maunganui anfühlt, dann ist das nunmal eine Erwähnung wert. Ein bisschen überfüllt von Ferienwohnungen und wahrscheinlich eher für eine Alterskategorie über Backpacker, hat der Ort aber ein sehr sympathische Ausstrahlung. Man kann surfen und SUP’en (was ich auch beides getan habe), oder sich direkt ein Boot mieten zum Angeln und gemütlich auf dem Wasser rumdümpeln. Am südlichen Rand ist ein Nationalpark, mit einigen schönen Wanderungen und im Norden ist ein Gebiet, das sich australische Everglades schimpft und zum Kayaken und Ähnlichem einlädt. Dafür hat es leider nicht gereicht also haben wir uns mit einer günstigen Sonnenuntergangscruise begnügt. Sehr schöne Gegend!

Fraser Island

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Wenn ich Leute im Vorfeld gefragt habe was ich mir auf jeden Fall in Australien anschauen sollte, war das immer die erste Antwort. Fraser Island ist die größte Sandinsel der Welt und liegt im Nordosten, direkt neben der zweit- und der drittgrößten. Da man dort sowieso nur mit Geländewagen voran kommt, hab ich mir dann eine Tour gebucht und bin mit knapp 30 anderen (größtenteils) Backpackern rüber gedüst. In den drei Tagen gab es auch einiges zu sehen und zu tun: Einen Sprung in den bildhaft schönen Lake McKenzie und ein Naturpeeling mit seinem reinen Sand, die Aussicht vom Indian Head genießen, von dem man in der Regel Schildkröten und Haie beobachten kann, entspannen in den Champagne Pools die bei jeder größeren Welle mit Gischt gefüllt werden und so ein prickelndes Erlebnis sind und ich durfte bei einer „Tanzzeremonie“ der ortsansässigen Aborigines zuschauen, etwas über ihre Kultur lernen und es am Ende auch einmal selbst versuchen. Außerdem macht es einfach einen Mordsspaß mit dem dicken Geländewagen über Strand und Sand zu heizen.

20170320_130343Abgesehen davon gab es natürlich noch andere tolle Sache zu sehen wie die Whitsundays, der Rockhampton Zoo, Daintree Rainforest, das Townsville Reef HQ oder der Fingal Spit bei Port Stephens, aber das würde jetzt zu weit führen. Was ich aber noch erwähnen möchte sind die Großstädte von denen man ja immer so viel hört.

Melbourne ist die modernste Stadt und hält schon verdammt viel von sich selbst. Nicht ganz zugänglich und ein bisschen schwer sich dort zurecht zu finden, hört man aber immer von der ach so tollen Kunstszene und der exquisiten Kaffeekultur. Hatte definitiv einen leichten Berlin Vibe, als ich durch die Straßen gewandert bin und wir alle wissen wie schroff es dort sein kann. Ich will jetzt nicht sagen Melbourne ist die Hipster Zentrale Australiens, aber ganz so weit daneben würde ich damit nicht liegen.
20170222_093027Sydney hingegen hat mir da schon etwas besser gefallen. Die Szene Party Viertel wurden da etwas an den Stadtrand verlegt nach Manly und Bondi Beach und so ist die City schon wesentlich mehr Metropole als Melbourne. Ein bisschen eine Mischung aus Frankfurt und Hamburg mit seinem großen Fährhafen. Die Harbourbridge weckte natürlich ein paar Heimatgefühle nach der Hohenzollernbrücke und das Operahouse ist was Wahrzeichen angeht schon ganz oben mit dabei (von Innen wie Aussen). 20170222_110943
Eine der kuriosesten Geschichten Australiens ist das diese zwei Städte sich jahrelang gestritten haben, wer von ihnen denn jetzt Hauptstadt Australiens werden würde. Nach einigem diskutieren, wurde sich dann eben darauf geeinigt eine komplett neue Stadt zwischen den beiden zu bauen, die den einzigen Zweck hatte Regierungssitz zu werden. Genau so wirkt Canberra auch. Da die Stadt nicht gewachsen ist, sondern am Reißbrett entstanden ist, ist alles kilometerweit voneinander entfernt und kann nur mit Auto erkundet werden. Keine Chance auf einen kleinen Spaziergang vom War Memorial zum Parlamentsgebäude. Sie sind zwar echt toll anzuschauen, aber da bei beiden ausser Straßen ringsherum nichts ist, wirken sie irgendwie recht verloren. 20170212_125744Die ganze Stadt wirkt leer und kalt… Ich hab mir zwar sagen lassen, dass es wohl ganz schön ist dort zu wohnen, aber ein Besuch ist nur bedingt zu empfehlen. Einfach unwirtlich.
Fast am besten gefallen hat mir da eine andere Stadt. Wenn Melbourne wie Berlin und Sydney wie Hamburg 20170303_125702ist, dann ist Brisbane Köln. Unaufgeregt sympathisch und sehr entspannt. Große Kulturviertel mit Parks und Museen, nette Innenstadt mit „alten“ Gebäuden hier und da, und ein großer Fluss der mitten hindurch fließt. Gut einen Dom haben sie dort natürlich nicht, aber trotzdem hätte ich dort ruhig noch etwas länger verbringen können.
Gut mehr Zeit war dieses mal einfach nicht drin. Und man muss ja Gründe haben nochmal wieder zu kommen, richtig?

20170326_100546Jetzt ist kommt meine Zeit Down Under als zu einem Ende und ich versuche ein Fazit zu ziehen. Ein paar mal hab ich jetzt schon die Frage gehört was denn schöner ist; Neuseeland oder Australien. Ein bisschen schwer zu sagen, da bei beiden echt Plätze zu finden sind, die einen zweifeln lassen, ob das wirklich alles natürlich ist und nicht in die Landschaft gemalt wurde. Letztlich kann Straya aber in einem Punkt nicht gegen NZ gewinnen: Es ist einfach zu groß hier. Man verschätzt sich mit den Distanzen enorm und zwischen zwei Sehenswürdigkeiten liegen gerne mal stundenlange Autofahrten, während bei den Kiwis hinter jeder Ecke etwas neues Tolles liegt. Es hat dort einfach mehr Abwechslung…
Mir fiel es in meiner ganzen Zeit hier einfach schwer wirklich ein Gefühl fürs Land und Leute zu bekommen, was mit Sicherheit daran liegt das ich nun mal die touristische Ostküste rauf gereist bin. 20170315_163135Im Vorfeld hatte Christian auch mal erwähnt, dass man das wahre Australien nur an der Westküste findet und ich vermute damit hat er Recht. Ich habs ja auch noch nicht mal ins Outback geschafft… Man muss sich aber auch immer wieder in Erinnerung rufen, dass wir hier von einem Land mit 3-5 Zeitzonen reden, das größer als Europa ist.

So oder so ist meine Zeit hier jetzt am Ende und morgen geht es in den Flieger der mich wieder auf die Nordhalbkugel bringt. Nach dem heißen Spätsommer kommt jetzt der, hoffentlich nicht zu kalte, Frühling und mit großen Schritten geht es Richtung Heimat. Ein bisschen mulmig ist mir ja schon, seit der Countdown nur noch zweistellige Tage anzeigt, bis ich wieder in Deutschland bin. Sehr gespannt was da Alles auf mich zu kommt…
Noch bin ich aber nicht zu hause und morgen startet erstmal das nächste große Abenteuer.
Japan is calling und die nächsten Tage werde ich Tokio unsicher machen. Also keine Müdigkeit vorschützen, den Rucksack geschultert und los! Weiter geht die wilde Fahrt!

60 Tage und 11 Stunden in Australien
438 Tage und 8 Stunden weg von zu Haus
T-25 Stunden bis zur Landung in Tokio

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G’day Mate!

G’day Mate!

Im Jahr, lasst mich nicht lügen,  1991 war ich noch etwas kleiner und jünger als heute. Da war die Welt noch in Ordnung. Noch vor Trump oder ähnlichen Katastrophen.
Eines schönen Tages dieses schicksalhaften Jahres beschlossen meine Eltern, dass ich alt genug wäre, um mir die weite Welt der Filme vorzustellen und nahmen mich ins Kino mit. Mit Popcorn auf einem der weichen Sessel im abgedunkelten Saal war der erste Film den ich jemals im Kino sehen durfte die Fortsetzung eines Disney Trickfilms, die normalerweise nicht unbedingt für Qualität stehen. Doch ich hatte noch keine Ahnung von Filmen und fand ihn auf jeden Fall großartig. Er hatte einfach alles: Humor, Action, Dramatik, Helden und Bösewichte und eine Eröffnungssequenz die mehr 3D ist als alles was James Cameron je produziert hat.
Die Rede ist von:

Bernhard und Bianca im Känguruhland

Und seit damals wollte ich einmal in dieses Land!
Es dauerte noch ein paar Jahre bis ich verstand, dass es dieses Land wirklich gibt und dann dauerte es noch ein paar Jahrzehnte, bis ich die Reise wirklich in Angriff nahm, aber jetzt, knapp 26 Jahre später, bin ich endlich hier. Ich bin da, was man gemeinhin meint wenn man Down Under sagt.
Ich bin in Australien.

20170202_143044Warm ist es hier! Und groß! Und weit!
Wobei ich zugeben muss bisher noch nicht zu viel gesehen zu haben. Die erste Woche stand nämlich ganz im Zeichen des Ankommens und der Regeneration. Nach dem letzten Monat des mit Baby reisens, hatte ich einiges an Schlaf nachzuholen, also hab ich mich erstmal für eine Woche in einem Hostel in St. Kilda einquartiert. Dieser Vorort von Melbourne wurde mir von Freunden empfohlen, die dort für ein paar Monate gewohnt hatten. Ganz entspannt konnte ich da richtig ausschlafen, tagsüber den Strand und die Umgebung erkunden und erstmal den leichten Kulturschock überwinden. Man mag es kaum glauben, aber vom kleinen Christchurch, in eine Stadt mit so vielen Einwohnern wie ganz Neuseeland zu wechseln, ist etwas ungewohnt.

Schon beim Anflug, als ich die ersten Wolkenkratzer sah, wurde mir klar, dass ich mir kaum Gedanken gemacht hatte wie meine Zeit in Australien aussehen würde. Das einzige was ich weiss ist, dass ich es in zwei Monaten bis nach Cairns schaffen muss um meinen nächsten Flieger zu erwischen. Zeit genug um mich nicht stressen zu müssen, aber nicht so viel als das ich alles sehen können würde.

20170203_150143Eine Woche Melbourne musste also reichen. Ich hab mir die Street Art in der Hosier Lane angeschaut, war im acmi (Australian Center for the Moving Image), hab einen Flat White in einer kleinen Seitengasse getrunken, in einer Sports Bar den unglaublichen Super Bowl geschaut, war bei einem Musik-Festival beim Luna Park, bin beim Shrine of Remeberence vorbei spaziert und zum Abschluss noch auf die höchste Aussichtsplattform der südlichen Hemisphere rauf um mir das ganze nochmal von oben anzuschauen. Für die Great Ocean Road mit den ‚twelve Apostels‘ hat’s dann nicht mehr gereicht, aber man braucht ja auch noch was um nochmal wieder zu kommen.

Jetzt hab ich Melbourne also hinter mir gelassen und bin16522761_10155083631082148_391550425_n auf dem Weg nach Sydney. Über facebook hab ich dafür Lisa und Vinc kennengelernt und gemeinsam sind wir da wo ich mich ja mittlerweile zu hause fühle: On The Road.
Zurück in Zelt und, bei diesen Temperaturen eher unnötigem, Schlafsack, erkunden wir die Ostküste. Erster Stop war gestern im Wilsons Promontory National Park wo ich dann in der Nähe vom weissen Squeaky Beach Sandstrand meine erste Schlange vorbeischlängeln und mein erstes wildes Känguruh davon hopsen sah. Ich glaube damit war ich dann wirklich angekommen und bin da wo ich schon immer hin wollte.

Matthias im Känguruhland!

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10 Tage in Australien

388 Tage weg von zu haus

Ein schwerer Abschied im Zeit-Limbo

Ein schwerer Abschied im Zeit-Limbo

Alles hat ein Ende. Soviel ist uns allen klar.
Auch wenn es nicht immer offensichtlich ist, hat auch alles irgendwo einen Anfang.
Und dann gibt’s auch noch die Zeit mittendrin, wenn sowohl Anfang als auch Ende unterschiedlich weit entfernt wirken.

Mir kommt es so vor, als würde sich all das gerade stark überschneiden und gleichzeitig stattfinden. Als wäre ich irgendwo dazwischen.

Der Roadtrip mit meiner Familie zum Beispiel.
Auf der einen Seite sind die Koffer gepackt und alles für die Flüge bereit, aber da erst noch unser treues Wohnmobil, der Rambler 24, aufgrund einiger Komplikationen bei der Vermietung, wieder nach Auckland gebracht werden muss, bin ich mit meinem Schwager immernoch auf Neuseelands Straßen unterwegs. Irgendwie ist es also vorbei, aber auch nicht.

Der ganze Roadtrip an sich war aber auch schon so eine Sache. Als entspannter Abschluss für Neuseeland geplant, fühlte er sich schon nach einer Art Ende an; Ein nochmal zu den schönsten Orten fahren und sich persönlich verabschieden Können. Auf der anderen Seite gab es aber auch Neues zu sehen, wie der Trip zu Mt. Sunday, der sich im strahlenden Sonnenschein zeigte und auch mir nochmal ein Highlight in Neuseeland bescherte.

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Insgesamt ist es einfach enorm schwer Zeit wirklich zu erfassen.

Vor ein paar Tagen zeigte mir meine Countdown App an, dass ich jetzt ein Jahr unterwegs bin und also ein volles Jahr in Neuseeland verbracht habe. Hurra, Glückwunsch und Anstoßen und so, aber: Ist das eine lange Zeit? Ich kann beim besten Willen nicht beantworten ob es nun ’schon‘ oder ‚erst‘ ein Jahr ist. Die Zeit hier war einfach so voll mit Eindrücken, Begegnung und Erlebnissen, dass es schwer fällt einen Rahmen darum zu ziehen. Gerade hab ich doch noch Kiwis gepflückt, wie kann es da sein, dass Pflücker-Kollegen schon seit Monaten zu hause sind? Wann war ich gleich das letzte mal arbeiten? Und wieso ist es so warm draussen, war nicht gerade noch Weihnachten? Achja…

Deutschland wirkt allerdings im jedem Fall sehr weit weg. Der Gedanke einfach nur ‚zu hause‘ zu sitzen und ‚Alltag‘ zu haben, wirkt für mich so entfernt, dass es absurd ist wenn es gerade mal gute 366 Tage her sein soll.

20170120_134945Und dann schaue ich in die andere Richtung was jetzt vor mir liegt. Nach Deutschland zurück zu kehren ist gleichzeitig verlockend und beängstigend. Einfach wieder in Ruhe für eine Weile an einem Ort sein klingt toll, aber herauszufinden wie sehr sich dort Alles (und auch ich mich selbst) verändert hat wird nervenaufreibend. Ganz zu schweigen von Fragen wie es beruflich weiter geht oder ob in meinem Pubquiz Team immernoch ein Platz für mich ist. Nervös schaue ich dem Tag entgegen.
Es scheint mir manchmal unmittelbar bevorzustehen, aber dann schau ich wieder auf meinen Countdown, der mir sagt, dass ich noch hundert Tage habe mich darauf vorzubereiten. Ist das jetzt eine kurze Zeit? Erstmal geht die Reise ja noch weiter. Als ich vor zwei Jahren das erste mal nach Neuseeland reiste waren die 30 Tage Roadtrip die mit Abstand längste Zeit, die ich je weg von zu hause verbracht hatte.
Jetzt erwische ich mich bei dem Gedanken, dass die 100 verbleibenden Tage viel zu schnell vorbei gehen werden. Wie soll ich das nur in der kurzen Zeit alles schaffen?

Am Ende, nachdem ich auf meinen Eindrücken und Zeitgefühlen eine Weile herumgedacht habe, ende ich dann in der Regel beim guten kölschen Grundgesetz:

Et es wie et es
Et kütt wie et kütt und
Et hätt noch immer joot jejange

Mich jetzt verrückt zu machen über Dinge die noch kommen und die ich gerade sowieso nicht beeinflussen kann, sorgt nur dafür, dass ich die Reise dorthin nicht mehr richtig genießen kann und damit wäre auch niemanden geholfen. Am Ende siegt dann auch immer die Vorfreude auf das Neue und Ungewisse.

Das Einzige von dem ich wirklich weiss, dass es ein Ende hat ist meine Zeit als Kiwi-Matthes, denn morgen steige ich in ein Flugzeug und verlasse Neuseeland.
Also sage ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge leise:

20170128_103906Auf Wiedersehen Neuseeland. Ich bedaure kundtun zu müssen, das dies das Ende ist. Du warst gut zu mir. Ich werde zwar noch nicht nach hause gehen, aber hierbleiben kann ich nicht. Ich glaube ich werde wieder kommen, ich habe es ehrlich gesagt sehr stark vor. Ich gehe nun und wünsche Dir zum Abschied alles Gute.

375 Tage und 14 Stunden in Neuseeland
377 Tage und 8 Stunden weg von zu haus
T-13 Stunden bis zur Landung in Australien

Anders und doch vertraut

Anders und doch vertraut

Da ist es nun also, das neue Jahr. Seit zwei Wochen sind wir jetzt schon in 2017, doch ich muss ehrlich gestehen, dass es sich bisher kein Stück anders, als das vergangene Jahr anfühlt. Um fair zu bleiben mache ich aber auch wieder genau das, womit ich den Großteil von 2016 verbrachte: Die Straße hat mich wieder!

Und natürlich bin ich dabei wieder nicht allein. Meine Mutter, meine Schwester, mein Schwager und meine fünf Monate junge Nichte haben sich aufgemacht um mich zu besuchen und nun ist es an mir, ihnen die schönsten Ecken Neuseelands zu zeigen.20170108_191213

Gestartet in Auckland ging es erstmal gen Norden die Northlands erkunden. Glühwürmchen in den Waipu Caves, an Kap Reinga im Meer baden und ein Besuch bei den Jahrtausende alten Kauri Bäumen. Danach zurück durch Auckland zu einem weiteren Besuch im Auenland. Kiwi und Maori Flair in der Bay of Plenty und Rotorua und über den forgotten World Highway bis nach Wellington. Seit ein paar Tagen sind wir jetzt auf der Südinsel angekommen und haben auch hier schon einiges gesehen. Seehunde in der golden Bay, Kiwis (die Vögel) und Aale in Hokitika oder auch Bacon-Banana-Pancakes in Punakaiki, um nur ein paar Highlights zu nennen.

Wie man aus der Liste vielleicht herauslesen kann, sind wir ganz schön schnell unterwegs.‘ Täglich wird einiges an Kilometern gefahren, um die Zeit die uns hier bleibt möglichst effektiv zu nutzen. Die tollen Landschaften rasen förmlich an uns vorbei. Fast bekomme ich ein schlechtes Gewissen, weil wir so viel atemberaubendes einfach links und rechts liegen lassen, aber es beruhigt mich, dass a) ich ja schon (fast) überall war und b) die Anderen gar nicht wissen was sie verpassen.20170113_145007
Die noch größere Herausforderung neben der Reiseroute ist, dann doch eher meine Reisebegleitung: Wie man sich vorstellen kann zehrt es ein wenig an meinen Kraftreserven, nach 11 Monaten im laid back ‚Kiwi-way-of-life‘, plötzlich mit drei deutschen Touristen zusammen zu leben, mit denen ich auch noch verwandt bin. Ganz zu schweigen von einem Baby, das, so süß sie auch ist, kein Verständnis dafür hat, dass ihr Onkel gerne mal wieder eine Nacht durchschlafen würde.

Ehrlich gesagt muss ich aber zugeben, dass ich es mir schlimmer vorgestellt hatte. Ich hatte uns im Vorfeld ungefähr eine Woche gegeben, bevor wir uns an die Gurgel gehen würden. Dafür läuft es nach fast drei Wochen doch noch sehr entspannt und auch klein Charlotte ist ein ziemliches Reisebaby und erträgt immerhin die Stunden im Autositz weitgehend ohne Geschrei.

20170114_104818So verläuft also mein (vorerst) letzter Roadtrip durch Neuseeland. Ich bekomme meine ganz persönliche ‚Best-of‘ Tour durch mein Lieblings Land und kann hier und da noch ein paar letzte Häkchen auf meiner To-Do-Liste setzen, die aber eher das Tüpfelchen auf dem i sind. Wie zum Beispiel das Centre of NZ in Nelson: Eine kleine Plakette die vorgibt der Mittelpunkt des Landes zu sein, direkt neben einem Schild, das erklärt warum man das mit dem Zentrum nicht so eng sehen sollte

Eine letzte Beobachtung noch: Als wir vor ein paar Tagen einen meiner lieblings Orte besuchten, das Farewell Spit Café am Nordende der Südinsel, blätterte ich in den alten Gästebüchern und es stellte sich heraus, dass ich zwei Jahre zuvor, auf den Tag genau das erste mal dort gewesen war. Spätestens da wurde mir bewusst, dass meine erste Tour durch Neuseeland, bis hin zur Reisedauer, sehr sehr ähnlich gewesen ist. Das sie mir aber doch ganz anders vorkommt zeigt mir das ich mittlerweile doch ein anderes Reisen gewohnt bin.

362 Tage weg von zu Haus.

Goodbye 2016!

Goodbye 2016!

I know the general opinion of 2016 is not high.

I have to admit a lot of weirdly bad things have happened around the world and a lot of „important“ people have died. That could bring you to the conclusion, that the passing year was, indeed, bad.

So maybe I am alone with my point of view, but the passing year was definitely one of the most:

20161215_103548Great,
Interesting,
Amazing,
Exhausting,
Beautiful,
Spiritual,
Emotional,
Astonishing,
Eye-Opening &
Life Changing times of my life.

I realise that this is completely personal, but maybe think about it this way:
Even if the media screams horrific things at you and the world around you seems to fall apart, know that there are still places around somewhere, that are full of goodness and beauty. You just have to find them.

And maybe tell others about it, because it’s way better to hear about that for a change.

With that I wish you and everyone out there a

Happy New Year 2017!

May more people look back on next year happily.
See you on the other side!

Zeit zur Ruhe zu kommen

Zeit zur Ruhe zu kommen

Diverse male habe ich mich in den letzten Wochen hingesetzt und mir vorgenommen was über die Weihnachtszeit in Neuseeland zu schreiben. Das dies aber nicht so recht geklappt hat hat zwei Gründe.

Zuerst einmal war ich nur sehr schwer in Schreiblaune zu bekommen. Die letzten Monate waren voll mit Abenteuern, Erkundungen und Erlebnissen gewesen, aber eben auch mit all den Kleinigkeiten die so mit einem Roadtrip einher gehen Fragen wie „Wo schlafe ich eigentlich heut Nacht?“, „Habe ich genug Vorräte dabei für die nächsten Tage?“, „Muss ich schon wieder tanken?“, „Wird es wieder Zeit für eine Dusche und ist die noch im Budget?“ und so weiter. Und dann musste das Ganze ja auch noch mit Mitreisenden abgestimmt werden damit auch alle glücklich mit den Plänen sind…
Kurzum: Ich hatte nach den letzten Great Walks einfach die Nase voll davon Entscheidungen zu treffen und auch mal genossen nichts zu tun. Nicht nachdenken, sondern einfach in sommerlichen Sonnenstrahlen zu sitzen und mit einem guten Buch oder Podcast den Tag vergehen zu lassen. Nebenbei gab es natürlich immer noch genug zu tun, wie zum Beispiel meinen treuen Weggefährten HAL in gute Hände abzugeben, doch ich habe einfach so gut es geht, meine geistigen Aktivitäten auf ein Minimum herunter gefahren. Konzentration für das Verfassen eines Blogeintrags war da nun wirklich nicht drin.

Der zweite Grund war, und der wird sicherlich eher einleuchten, ist, dass ich so gar nicht in Weihnachtsstimmung kam. 20161222_202334Mehr und mehr las ich online oder hörte von Besuchen auf Weihnachtsmärkten, Plätzchen backen und anderen Wintertraditionen, aber beim Blick auf Palmen im warmen Wetter, kann der Kalender noch so viel Dezember schreien; Weihnachten wirkte einfach unendlich weit weg. Jedes mal wenn ich in einen Supermarkt oder anderes Geschäft ging, wurde ich durch Deko und Musik zwar daran erinnert, aber wenn ich mal wieder Bing Crosby ‚It’s beginning to look a lot like Christmas‘ singen hörte, war das einzige was ich denken konnte: „Das ist eine gottverdammte Lüge!“.
Was das ganze ‚Weihnachten-im-Sommer‘ Ding noch bizarrer macht ist, dass alles auch hier trotzdem auf kalt ausgerichtet ist. Tannenbäume mit Kunstschnee, Eisblumen in Fensterscheiben und nicht zuletzt der dicke Mantel des Weihnachtsmannes, der in so einem Aufzug hier schnell einem Hitzschlag erliegen würde.

Was mir aber letztendlich bei beiden Problemen geholfen hat war die Rückkehr in die Bay of Plenty. Nach kurzen Hitchhiking Erfahrungen und einer spektakulären Zugfahrt bin ich vor einer guten Woche wieder bei den Kramers eingezogen, 20161225_084443um im familiären Kreis die Feiertage zu verbringen. Die damit einhergehende Entspannung war genau was ich brauchte. Es ist nun nicht so das ich gar nichts machen würde (dafür ist das Wetter auch einfach viel zu gut), aber es tut gut wieder von vertrauten Gesichtern umgeben zu sein und sich nicht so viele Gedanken über alltägliches machen zu müssen. So ist die Arbeit für Daves neue Kiwibäume und auch das Herumgerenne beim Frisbee in Rotorua mehr Erholung als alles andere.
Was die Weihnachtsstimmung anging gab es schon ein paar Momente die daran erinnerten. Als wir an heilig Abend zusammen saßen, Plätzchen aßen und Herr der Ringe schauten, kam beim Blick auf den (Plastik-)Weihnachtsbaum mit seinen blinkenden Lichtern, schon ein bisschen weihnachtliche Gemütlichkeit auf. Im großen und Ganzen muss ich aber sagen, dass Weihnachten in Neuseeland einfach was ganz anderes als daheim ist.

Den Weihnachtstag verbrachten wir in großer Runde und fast ausschließlich im Freien. Es wurde Frisbee gespielt, sich über die Traditionen aus anderen Ländern ausgetauscht und pflichtbewusst nach hause geskyped um wenigstens virtuell am heimatlichen Fest teilzunehmen.
Eine Sache die hier allerdings nicht anders ist als daheim und 90 Prozent unseres Tages bestimmte, war das Essen! Der gesamte Tagesablauf war in Gänge unterteilt und zwar so weit, dass wir nicht mehr in Uhr-, sondern Mahlzeiten sprachen:
20161225_172326„Wann kommt Steph eigentlich morgen?“ „Zu den Waffeln wird sie es nicht schaffen, sollte aber bis zur Käseplatte da sein.“ „Und wann fahren wir zum Strand?“ „Nach dem Crayfish, aber vor dem Truthahn.“20161225_201610
Durch die viele Bewegung und das Verteilen über den ganzen Tag blieb dabei allerdings auch dieses unangenehme Völlegefühl aus und so war man abends immernoch fit als Mike die Kayaks ins Auto lud und mich mitnahm, um im Dunkelen Glühwürmchen bei den Mc Laren Falls zu bewundern.
So war Weihnachten mal etwas ganz anderes als daheim, was aber in keinster Weise negativ gemeint ist.

Heute haben wir dann den Weihnachtsbaum abgebaut, die letzten Besucher (ausser mir) sind nach Hause oder weiter gereist und ich nutze die nächsten Tage um noch ausgiebigst und so viel es geht meine Akkus aufzuladen, bevor ich dann kurz vor Silvester wieder aufbreche, zu meinem vorerst letzten Roadtrip durch Neuseeland.
Die große „Farewell-Tour“ wird dann auch nochmal was ganz Besonderes, denn ich bin nicht allein unterwegs, sondern mit mir kommen meine Mama, meine Schwester, mein Schwager und meine kleine Nichte, die Urlaub bzw. Elternzeit maximal ausnutzen wollen. Die Erfahrung sagt mir dafür werde ich alle die Energie gut gebrauchen können.

344 Tage und 5 Stunden weg von zu Hause